Tanja Maria Ernst - Künstlerin

Info

"Wir unterwerfen uns, durch unsere Geschäfte, medial einer zunehmend internationalen Taktung. Wir telefonieren in Zeitfenstern mit den USA und China und erwarten inhaltlich fundierte Antworten per mail innerhalb von zwei Stunden. Gelegentlich sollte man sich doch die Zeit nehmen, nach den Konsequenzen der steigenden Taktung zu fragen. Neben menschlichen Krisen und Krankheitsfällen wurde eine interessante Frage kürzlich im Artikel einer Tageszeitung aufgeworfen. Die Frage nach dem Überleben der Kreativität, die die Muse ja bekanntlich braucht wie der Fisch das Wasser zum Schwimmen. Im Ländle der Tüftler und Denker könnte ein Verlust der Kreativität beängstigende Folgen haben. Denn damit müßte man auch um die Innovation fürchten... Der gewöhnliche Alltag verursacht bei mehr und mehr Menschen das Gefühl “unter die Räder gekommen zu sein” und sie fragen sich besorgt, wie lange sie dem vorgelegten Tempo standhalten können. Zum Glück (?) wächst eine Generation nach, die bereits mit handy und i-pad an der Nabelschnur auf die Welt kommt... Nicht nur Heimat ist uns ein wichtiges Thema - inzwischen trägt sogar der Mops ein Dindl - auch unser Verhältnis zur Natur. Unser Leben scheint uns aus der Hand zu gleiten, die Rhythmen des Alltags laufen den menschlichen Bedürfnissen zuwider, die Ausbeutung der Resourcen bedroht weiterhin unsere Umwelt. Die Menschen sehnen sich nach “einfachen Gesellschaftsformen”, die mit der Natur noch im Einklang stehen. Letztendlich fühlen wir uns schuldig, weil wir diejenigen sind, die die Züge in die Gärten kippen und wir fühlen uns bedroht, weil wir instinktiv wissen, daß die Vorstellung, der technische Mensch habe die Umwelt im Griff und könne sie nach seinen Wünschen gestalten, nichts ist als eine Illusion. Hier hilft nichts weiter, als der persönliche Glaube - wenn der nur nicht abhanden gekommen wäre. Gottvertrauen ist der neue Luxus unserer Tage."