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"Ein feines Gespinst von all dem, was der Mensch zum Leben braucht... Wo hört Heimat auf und wo beginnt Fernweh? Wo sehen wir, wenn wir unserem Fernweh nachgeben, doch wieder nur das, was für diejenigen dort wiederum Heimat ausmacht ...?"
"... Ein deutlicher Wandel des Festes tritt in der Gründerzeit auf. Die schnell wachsende Industrie bringt eine neue Gesellschaftsschicht hervor, das Großbürgertum, das die bis dahin unerreichten Lebensgewohnheiten des Adels zu kopieren beginnt. In dieser Zeit tritt der religiöse Inhalt des Festes zunehmend in den Hintergrund und die Familie tritt nach vorn. Die Familie der Gründerzeit feiert sich selbst, zusammen mit ihren neuen Werten: Strenge und Gerechtigkeit des Vaters, Tüchtigkeit und Häuslichkeit der Mütter und Folgsamkeit und Adrettheit der Kinder. Es vollzieht sich ein allmählicher Wandel, weg vom religiös orientierten Brauchtum am Festtag, hin zu rein innerfamiliären Ritualen. Die Abspaltung vom religiösen Inhalt setzt sich im Grunde fort bis heute. Die ursprünglich religiösen Formen beginnen sich zu leeren zugunsten fast mechanischer Handlungsabläufe. Denn ohne Familie und vor allem ohne Ritual gibt es inzwischen kein Fest mehr. Wir tun jedes Jahr, im Idealfall zur gleichen Uhrzeit, das Gleiche, wie all die Jahre davor, ohne allerdings so recht noch zu wissen warum. Rituale erzeugen Sicherheit und beengen gleichzeitig. Sie erzeugen hohe Erwartungshaltungen oder pure Langeweile. Im schlimmsten Fall entwickelt sich eine termin- und zeitgesteuerte Maschinerie, die nur noch ihren Selbstzweck verfolgt ..."
Weihnachten - Auszug aus dem Diplomtext

